womologo

.

Russlands Norden

Autor: Toni 12.09.2017
34_P6110114.jpgRusslands Norden
34_P5290453.jpgKurzinfo:
Die Strassen sind zum Großteil nicht sonderlich gut! Zum Teil sind Schotterstrassen besser als die vielen Schlaglöcher am Asphalt!
Tankstellen gibt es viele, auch sonst ist die Infrastuktur absolut gut.
Die Menschen sind freundlich und aufgeschlossen!

Kurzer Reisebericht:

Wir waren vom 25. Mai bis 18. Juni mit der Gruppe von Helsinki über St. Petersburg bis Murmansk unterwegs. Die einzelnen Tagesetappen sind wir alleine (nicht Konvoi!) gefahren. Am Abend waren immer ordentliche Übernachtungsplätze vorhanden. Gemeinsames Besichtigungen wurden mit gruppenleiter und Bussen durchgeführt. 
Das Programm war im gesamten in Ordnung - wir hätten uns nur ein bisschen mehr Kultur gewünscht!
Am 25. Mai sind wir in Helsinki gestartet, an der russischen Grenze hat sich die Gruppe wieder getroffen und es wurde gemeinsam die Grenze überschritten. Die Prozedur hat gesamt 3 Std. gedauert! Anschliessend sind wir noch ca. 40km bis Wyburg gefahren. Es war einmal eine Hansestadt an der Ostsee! Am Stadtplatz im Zentrum wurde übernachtet.
Am nächsten Morgen gibt es einen geführten Stadtrundgang, bevor wir uns die 170 km auf den Weg nach St. Petersburg machen. Am Stadtrand von St.Petersburg werden die Fahrzeuge am Parkplatz für die nächsten 3 Tage abgestellt. Nach einer Runde Wodka begeben wir uns gut bewacht zur Ruhe
Am nächsten Morgen werden wir um 10h mit einem Bus abgeholt. Früher wäre sicher besser gewesen. Wir benötigen in die Innenstadt 1,5 Std. Dann machen wir eine Rundfahrt an den großen Sehenswürdigkeiten vorbei. Mittagessen gibt es in einem kleinen Restaurant. Danach machen wir eine Rundfahrt mit dem Boot durch die Kanäle von St. Petersburg. zum Abschluß besuchen wir eine schöne orthodoxe Kirche. Dann geht es wieder 1,5Std. zurück zum Hotel.
Heute regnet es wieder! Wir starten Heute früher. Es geht zur Eremitage - dem Winterpalast des Zaren. fast 3Std. dauert die Führung durch den Palast. Man müsste jedoch minestens einen ganzen Tag bleiben um alles genauer zu sehen! Aber auch die kurze Zeit war vollgepackt mit Highlights. Anschliessend fahren wir mit dem Schnellboot zum Peterhof, dem Sommerpalast der Zaren. Der Palast innen geht sich mit der Zeit nicht aus, aber der Park und das Gebäude aussen sind für sich schon gewaltig. Danach wieder zurück zur Eremitage. Von dort marschieren wir durch das Stadtzentrum zum Theater. Schwanensee steht am Programm. War eine schöne Aufführung. Mit dem Taxi geht es dann zurück zum Womo.
Heute fahren wir nach Puschkin zum Katharinenpalast. Der Palast ist ein Wahnsinn! 200m Fassadenlänge - innen Gold ohne Ende und dann noch das Bernsteinzimmer! Auch der Park ist Toll. dieser Besuch ist ein Muss in St.Petersburg! Danach fahren wir zurück in die Stadt zur Isaak-Kathedrale. Eine wunderschöne Kirche und von der Ballustrade hat man einen tollen Rundblick über die Stadt. Nicht weit entfernt ist die Bluterlöserkirche. Ein tolles Bauwerk mit bunten Kuppeln und schönen Mosaiken im Innenraum. Zum Ausklang noch ein grosses Kaufhaus bevor es zurück geht.
Heute fahren wir weiter - nach Sortawala am Ladogasee. Die Strecke führt durch Waldlandschafen, vorbei an kleinen karelischen Dörfern, Sümpfen und Seen. Nach 340km stehen wir am See neben einem Hotel. Morgen fahren wir dann mit dem Schnellboot zur Klosterinsel Walaam.
Die Fahrt mit dem Tragflügelboot zur Insel dauert eine Stunde. Das Kloster ist eines der ältesten in Russland. Es wurde im 11. Jh. gegründet. Es leben hier noch immer Mönche. In den kirchen sind einige sehr schöne alte Ikonen. Im Klostergarten werden versuchsweise verschieden Obstbäume gezüchtet. Am späten Nachmittag sind wir wieder zurück. Mein Auto spinnt, es leuchten alle Kontrollampen, so werden wir morgen in eine Werkstatt fahren.
Diese ist nicht weit. Gott sei Dank war es nur eine Kleinigkeit - ein oxidiertes Relais! So können wir bald wieder weiter. Es geht Heute weiter nach Norden bis Kinerva!  Kinerva ist ein altes karelisches Dorf, im winter wohnen hier nur mehr 9 Personen! Im Sommer aber noch mehr. 
Wir fahren auf der A130 weiternach Norden, auf der Strecke zweigen wir links nach Ruskeala ab. Hier gibt es einen kleinen Waserfall in einem Naturpark. Die 20km strasse dort hin, sind Schlaglöcher mit ein wenig Asphalt! das ganze dann wieder zurück. Am späten Nachmittag erreichen wir dann Kinerva. Zwischen den alten Holzhäusern parken wir die Fahrzeuge. Dann geht es auf einen Rundgang durch das Dorf. Anschließend bekommen wir ein karelisches Abendesssen, war ein netter Abend! Morgen fahren wir nach Petrosawodsk - der Hauptstadt Kareliens weiter.
Es iast nicht weit. 120km durch Wald und kleine Dörfer - eine landschaftlich sehr schöne Strecke. In Petrosawodsk stehen wir nahe dem Hafen am Onegasee. Dem Ufer entlang machen wir einen kleinen Erkundungsgang in die Stadt. Heute Abend gibt es gemeinsames Schaschlikessen. Salate werden selbst gemacht! Die Schaschlikspiesse grillt Anatoli der gute Geist der Gruppe! Zur Verdauung werden dann noch 7 Flaschen Wodka geleert!! Dann gute Nacht!
Das Wetter ist gut, mit einer Führerin machen wir einen Stadtrundgang. Anschliessend fahren wir mit einem Tragflügelboot zur Insel Kishi - Auf der Insel steht die älteste und schönste Holzkirche Russlands. das ganze ist eingebunden in einem sehr schönen und interesantem Freilichtmuseum! Am späten Nachmittag fahren wir die 60km über das Wasser wieder zurück nach Petrosawodsk.
Heute geht es müde in die Heia! Morgen haben wir den ganzen Tag Zeit alleine die Stadt zu erkunden.
Die Stadt hat ca. 150 000 Einwohner, das Zentrum ist leider sehr vernachlässigt und verfällt langsam aber sicher. ein paar Denkmäler, Theater, Markthalle und Einkaufszentrum geben einen guten Blick in das ärmliche Leben in Karelien (Russlands vergessene Dörfer!!).
Heute fahren wir weiter nach Powonez am Weissmeerkanal - 200km ist diese Etappe. Die Sgtrecke führt an Holzkirchen, Seen und Dörfen vorbei. Eine Rumpelpiste bringt uns seitliche 6km zu einem 15m hohen "Wasserfall" Hier im Norden sind 15m viel! Dann geht es durch Birkenwälder weiter bis Powonez. Unser Übernachtungsplatz liegt am Onegasee mitten im Wald. Am Abend beim Lagerfeuer werden wir von den Mücken zur Aderlass gebeten!!
Heute werden wir von einem Bus abgeholt. Wir fahren zum Weissmeerkanal - eine der vielen Schleusen besichtigen. Danach geht es in ein Museum in Powonez. Hier ist drastisch dargestellt, wie der Bau des Kanals von 1931-33 ablief! der gesamte Kanal wurde von HAND gegraben - 200km in 2 Jahren. Von ganz Europa kamen Freiwillige, russ. politische Häftlinge wurden auch eingesetzt. 250 000 Tote soll der Bau gefordert haben. Tausende aus ganz Europa wurden erschossen, damit Sie nicht vom Grauen des Kanalbaues berichten konnten! Im Wald in der Nähe gibt es eine berührende Gedenkstätte!
Morgen fahren wir weiter an den Beginn des Weissmeerkanals an das weisse Meer!
Über Medvezhegorsk fahren wir auf der M18 Richtung Murmansk. Wir zweigen nach ca. 80km in den Wald ab. ein schöner Platz mit Forstwegen. Bei der Wanderung kommen wiran einen schönen See mitten im Wald ein herrliches Plätzchen zum relaxen! Später geht es weiter - die Strasse ist neu und super, bis jetzt eine Ausnahme! Nach 180km zweigen wir ab nach Belomorsk. Die Schlaglochpiste hat uns wieder. Nach ca. 30km bei Wygostrow kommen wir auf einen Betonplattenweg, welcher uns zum Stellplatz an der Schleuse 16 führt.
Morgen wollten wir mit dem Schiff nach Solowski im weissen Meer machen und hier ein altes Straflager aus der Sowjetzeit  besichtigen. Leider weht die nächsten Tage ein starker Wind, so dass keine Schiffe fahren! Schade!! 
Also Alternativprogramm: wir fahren zu alten Petroglyphen in der Tundra. Mücken gorß wie Kolibris gibt es hier - aber die schon arktische Landschaft ist toll. Ausserdem wo auf der Welt kann man schon über 5000 Jahre alte Petroglyphen latschen? Auch nächsten Tag lässt der Wind nicht nach! So gibt es einen faulen Tag im Womo - Fotos sortieren, faulenzen und eine Runde durch den Ort wandern. am späten Nachmittag werden wir mit dem Schulbus abgeholt und fahren zur Schule nach Belomorsk. Der Direktor hält uns einen Vortrag über Karelien, danach kommt der "Jugendchor" der Stadt, das jüngste Mitglied war vielleicht 60 Jahre! Sie untrhalten uns mit karelischen Volksliedern und Tänzen. Anschliessend fahren wir wieder zurück zur Schleuse.
Am nächsten Tag fahren wir weiter auf der M18 Richtung Murmansk. 200km Tundra, mit Birkenwäldern und herrlich blühenden Gräsern. Eine schöne Fahrt. Nach 260km zweigen wir ab nach Tschuba. Vorbei an einer stillgelegten Fabrik über Schotterpiste kommen wir zum schönen Platz am weissen Meer. Die Sonne geht nicht mehr unter, aber am Abend wird es kalt! Keine 10° hat es, also rein in das warme Womo.
Tschuba ist ein typisches Beispiel für die Situation der karelischen Orte! Zur Sowjetzeit hatte der Ort 10 000 Einwohner, zwei Fabriken, einen großen Steinbruch.  Nun hat der Ort 2500 Einwohner, keine Fabrik und keinen Steinbruch mehr. Die Leute leben von der Hand im Mund!!
Wir fahren zum Steinbruch. Hier wurde früher Feldspat, Glimmer und Quarz abgebaut. Heute wird nur mehr illegal von den Bewohnern abgebaut und verkauft. Der Steinbruch liegt auf einem Hügel mit herrlichem Rundblick über die arktische Landschaft. Am Rückweg im Dorf wird bei einem Krämerladen halt gemacht. Das ist so wie bei uns in den 1950er Jahren!
Dann geht es zu den Womos. Am Abend haben wir eine tolle Stimmung mit Regenbogen, dicken schwarzen Wolken und Sonnenschein. Das ganze knapp vor Mitternacht!!
Heute geht es weiter nach Kirowsk!
30km zurück zur M18, dann weiter nach Norden . wir überquren den Polarkreis! Es ist nur an einem blauen Eisengestell zu erkennen! 250km Fahrt durch Tundra und Sumpflandschaft. Kirowsk ist Bergbaugebiet im Tagbau werden hier seltene Erden und Glimmer abgebaut. Auf der Strecke kommt man immer wieder an halbverfallenen Industrieanlagen vorbei. Die Stadt selbst wirkt verwahrlost. Wir parken unsere Fahrzeuge beim Botanischen Garten. Es ist der nördlichste botanische Garten der Welt!
Am nächsten Tag fahren wir mit einem Bus in die Berge. Die Chibinen! Eine Landschaft wie bei uns im Hochgebirge, dabei sind wir unter 600m Seehöhe. Die Birken werden hier nur mehr 3m hoch! Aber es ist für uns eine faszinierende Landschaft. Anschliessend fahren wir in die Stadt zu einem Apatitwerk! Dann geht es vorbei am "Schigebiet"- alte Sprungschanzen und Schilifte, zum Mittagessen im Hotel der Stadt.
Am späteren Nachmittag haben wie eine Führung durch den botanischen Garten! Eigentlich gewaltig, was hier gemacht wird. Es gibt ein Palmenhaus und ein Kakteenhaus hier in der Arktik! Auch werden hier Versuche mit Planzen aus der ganzen Welt gemacht. Morgen geht es dann weiter nach Murmansk.
220km haben wir zu fahren. Die Strasse ist in Ordnung, nur die Landschaft ist hier schon zum grossen Teil von der Industrie - sprich Tagbau zerstört! Am Stadtrand von Murmansk auf einem Hotelparkplatz stellen wir die Autos ab. Vom Hotel hat man einen schönen Blick auf die Stadt. 300000 Einwohner hat Murmansk. Es ist weltweit die größte Stadt nördlich des Polarkreises. Aber es ist keine schöne Stadt! Sie besteht hauptsächlich aus Hafen, Industrie und Wohnsilos!
Abends fahen wir noch in die Stadt in ein Restaurant. Kingscrabs gibt es hier. 
Am nächsten Morgen werden wir von einem Bus abgeholt zu einer Stadtrundfahrt. Erst kommem wir zum Denkmal für das gesunkene Atom U-Boot, dann die Kathrdrale. Danach fahren wir zum Heldendenkmal mit einem 30m hohen steinernem Soldaten! Von hier fahren wir in das Stadtzentrum, da haben wie in paar Stunden Zeit alleine herum zu laufen. Sonderlich viel interesantes gibt es nicht zu sehen. Nachmittag brechen wir dann auf zum Hafen. Hier liegt die Lenin - es ist der erste Atom betriebene Eisbrecher der Welt! Heute ein Museumsschiff.
Es war eine super Sache auf dem Eisbrecher. Nun ist es 19h und wir haben Sauwetter. Regen und vielleicht 5-6°. Dass Mitte Juni! Heute Abend geniessen wir noch unser Abschiedsessen in der Gruppe. 
Unser letzter gemeinsame Tag, 240km haben wir bis zur Grenze zu Norwegen noch zurück zu legen. Es regnet und ist kalt! Die Landschaft ist vom Tagbau verwüstet! aber alle 50-60km ist eine große Errinnerungsstätte an die Kämpfe im 2. Weltkrieg. Das ist hier unheimlich dominant!
Dann fahren wir die letzten 50km im Konvoi durch Stachelgrahtzaun bis zur Genze. Die Abfertigung dauert fast 4 Stunden. Noch einmal verabschieden, dann sind wir wieder so wir wir es die letzten 40 Jahre gewohnt waren alleine unterwegs!
Die nächsten Wochen sind wir nun in Norwegen nach Süden unterwegs!!
In Summe war es eine schöne Fahrt durch den Norden Russlands. Nur es war überall stark zu sehen, dass das Volk der grosse Verlierer bei der Perestroika geworden ist SCHADE!

Dieser Artikel wurde bereits 1736 mal angesehen.

Powered by Papoo 2012
58144 Besucher